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Colourpoint-Perserkatzen  Adel              verpflichtet

 

Die Colourpoint ist, im Gegensatz zu anderen Varietäten der Perser, eine relativ junge Rasse.

 

Der heutige Standard einer Colourpoint entspricht voll und ganz dem Typ gut durchgezüchteter Perser: Der Körper wirkt kräftig und gedrungen. Er sitzt auf stämmigen, kurzen Beinen mit dicken, zwischen den Zehen behaarten Pfoten. Auf dem muskulösen, kurzen Hals befindet sich der massive, breite Schädel mit den kleinen, niedrig am Kopf platzierten Ohren, welche an der oberen Ohrkante schön abgerundet sind. Die Wangen und das Kinn sollen voll und kräftig entwickelt sein. Die Kiefer sind breit, bei ansonsten fehlerfreier Zahnstellung. Die Nase ist relativ kurz und flach mit einer deutlichen Einbuchtung (auch "Stop" genannt) zwischen den großen, runden Augen und der breiten, gewölbten Stirn. Die Augenfarbe ist ein möglichst intensives Blau ohne Ringbildung. Der Schwanz soll kurz und buschig mit einem abgerundeten Ende sein. Die optimale Schwanzlänge sollte das vordere Schulterblatt nicht überschreiten. Das Fell ist dicht, lang und seidig, ohne wollige Textur.

Wie bei allen Maskenkatzen muss ein deutlicher Kontrast zwischen der Körperfarbe und den Points (dunkel eingefärbte Abzeichen an den Körperenden) sichtbar sein. Über das Hinterhaupt darf sich die Gesichtsmaske nicht ausdehnen.

Als Points sind folgende Körperteile gleichmäßig eingefärbt: Gesicht, Ohren, Beine, Pfoten, Schwanz und, nicht zu vergessen, beim Kater die Hoden. Die Abzeichen müssen frei von Stichelhaaren sein, welche man im Bedarfsfall, vorzugsweise durch leichtes Auszupfen mit den Fingern, entfernt. Bauch-, Flanken- und Rückenflecke sind auf Ausstellungen zwar unerwünscht, werden aber nicht mehr als Fehler gewertet, die eine Zuchttauglichkeit oder Siegeranwartschaft ausschließen.

1.Abstammung und Herkunft der Colourpoint

In den frühen zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts wurden erste Kreuzungsversuche von amerikanischen und schwedischen Wissenschaftlern aus rei­nem genetischen Interesse durchgeführt. Diese hatten aber keineswegs im Sinn, eine neue Rasse zu schaffen. Sie wollten eigentlich nur herausfinden, was passiert, wenn man eine Siamkatze mit einer Perserkatze verpaart. Das Ergebnis war nicht gerade umwerfend, denn die ersten Nachkommen sahen aus wie einfarbige Siamesen. Für die Wissenschaft aber war somit der Beweis erbracht, dass die beiden Gene für Langhaarigkeit und Siamzeichnung auf dem rezessiven (verdeckt, d.h. beide Elternteile müssen das bestimmte Gen tragen) Erbgang weitergegeben werden. Damit war man fürs erste zufrieden.

Ähnliche Testpaarungen wurden danach noch öfter, ohne den Gedanken an eine selektive Zucht, von verschiedenen Züchtern und Wissenschaftlern in Amerika und England durchgeführt, bis es der englischen Züchterin Virginia Cobb im Jahr 1935 gelang, eine helle, langhaarige Katze mit dunklen Abzeichen zu präsentieren. Dieses weibliche Tier mit dem Namen "Debutante" verschwand recht bald wieder von der Bildfläche, nachdem das Interesse erloschen war. Wiederum genügte der Nachweis, dass es durchaus möglich war, eine Katze mit lauter rezessiven Genen zu erschaffen. Daraus resultierte, dass die Weiterzucht mit dem Ziel, eine eigenständige Rasse herauszuzüchten, schnell wieder in Vergessenheit geriet. Der Zweite Weltkrieg tat sein Übriges dazu. Und so war es nicht verwunderlich, dass mit den nachfolgenden Zuchtprogrammen wieder ganz von vorn begonnen werden musste.

Es war der Beharrlichkeit der englischen Züchter B. A. Sterling-Webb und Mrs. Harding zu verdanken, dass die Zucht dieser herrlichen Tiere endgültig ihren Anfang fand. Von da ab widmeten sich immer mehr Züchter in verschiedenen Teilen Amerikas und Europas der lohnenden Aufgabe, Colourpoints mit perfektem Persertyp zu züchten. Und der Erfolg blieb nicht aus; in England wurde die Colourpoint 1955 unter dem Namen "Khmer" und 2 Jahre später in den Staaten mit der Bezeichnung "Himalayan" als eigenständige Rasse anerkannt. Damals wurden sie auf Rassekatzen-Ausstellungen noch nicht zusammen mit den Perserkatzen gerichtet.

Anfänglich kannte man meist auch nur Maskenkatzen in den klassischen Farben seal-, blue-, red- und creme-point bzw. tortie-point bei den weiblichen Tieren. Seal-point gilt dabei nach wie vor als Ursprungsfarbe.

Inzwischen werden die meisten Colourpoints dem gültigen Perserstandard vollauf gerecht; der Züchterehrgeiz nach Perfektion und etwas Neuem jedoch ist kaum zu bremsen. Folglich machte man sich nun daran, die Farbpalette der Colourpoints zu erweitern. So kann man heute auf Internationalen Rassekatzen-Shows nicht nur Tiere in den oben genannten soliden Festfarben bewundern; inzwischen sind auch Farben wie lilac-point, chocolate-point und alle entsprechenden tabby- und tortie-tabby-point-Varianten anerkannt.

Nur den Golden-, Silber- und Smoke-Farbschlägen sowie den Colourpoints mit Weißscheckung steht die Mehrzahl der Katzenvereine noch skeptisch gegenüber. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass bei den Colourpoints mit Weißscheckung oder Tipping (Haarspitzenfärbung) nur noch sehr wenig von den Abzeichen sichtbar bleibt, welche eine Colourpoint so eindrucksvoll erscheinen lassen. Es erfordert schon einiges an genetischer und praktischer Erfahrung, solch zarte Farben wie z.B. lilac-tortie-tabby-point farblich richtig zuzuordnen. Und so kann man auch verstehen, dass selbst "eingefleischte Profis" mitunter Schwierigkeiten bei der Farbbestimmung haben, wenn es sich um Tiere handelt, deren Points nur noch aus einer Haarspitzenfärbung bestehen. Genauso kompliziert kann eine Farbbestimmung bei einer sehr hellen "Colourpoint auf Weiß" werden, falls sich die Weißscheckung nicht zufällig bis in die Abzeichen ausdehnt.

2. Genetische Erläuterungen

Genotypisch ist die Colourpoint eine Perserkatze mit einer speziellen Erbanlage: dem Siam-Gen (cs), auch Maskenfaktor genannt.

Da Colourpoints nicht weiß sind, aber dennoch blaue Augen haben, bezeichnet man sie auch als Teilalbinos. Die blaue Augenfarbe hat in diesem Fall nichts mit der Problematik der Taubheit weißer Katzen gemein. Bei weißen Katzen ist das Blau der Augen an das dominante (überdeckende) Gen (W) gebunden. Bei den Colourpoint- Katzen hingegen ist die Augenfarbe an das rezessive Siam-Gen (cs) gekoppelt und erscheint durch eine Pigmentschwäche der Iris als leuchtendes Blau.

Verpaart man Colourpoints untereinander, erhält man in der Nachzucht immer nur Colourpoints. Kreuzt man dagegen eine reinerbige Perserkatze mit dem dominanten Gen für Vollpigmentierung (einfarbige Perser) mit einer Colourpoint, so fallen in der F1-Generation nur einfarbige Perser. Ein Teil dieser Nachkommen sind phänotypisch (äußerlich sichtbar) zwar voll durchgefärbte Perser, genotypisch jedoch tragen sie den Maskenfaktor. Diese Tiere bezeichnet man als "Hybriden" oder Trägertiere. Wird ein solches Trägertier mit einer Colourpoint gekreuzt, tauchen beim darauf folgenden Nachwuchs eventuell die ersten erhofften Colourpoint- Kitten auf. Die einfarbigen Exemplare aus diesem Wurf tragen aber wiederum nur etwa zur Hälfte das Siam-Gen (cs).

Um herauszufinden, ob eine Perserkatze mit Colourpoint- Ahnen im Stammbaum ein Trägertier ist, sind mehrere Testpaarungen mit möglichst verschiedenen Colourpoints nötig. Wird dabei nie ein Jungtier mit Point - Zeichnung geboren, kann man davon ausgehen, dass diese Perserkatze kein Hybride ist.

Abschließend noch eine Bemerkung zum Erscheinungsbild der typischen Siamzeichnung: Die Points treten nur an den weniger durchbluteten und somit kühler gelegenen Körperenden auf. Wird eine Colourpoint regelmäßig geschoren oder erleidet sie großflächige, tiefere Hautverletzungen, wächst das Fell auch an diesen Stellen wegen der daraus resultierenden Unterkühlung der betroffenen Hautpartien dunkel nach!

3.Zuchtspezifische Besonderheiten

Es erfordert wirklich eine Menge persönlicher Erfahrung und Geduld, schöne, ausdrucksvolle Colourpoint- Katzen zu züchten. Darum sollten sich Neulinge, die entschlossen sind eine Zucht aufzubauen, hinreichend theoretisches Wissen über diese Rasse aneignen. Sinnvoll ist ein "Start" mit den soliden Grundfarben, was den Vorteil bringt, sich nicht schon zu Beginn mit Schwierigkeiten bei der Farbbestimmung herumschlagen zu müssen.

Hilfreich ist es auch, wenn man seine erste Zuchtkatze bei einem seriösen Züchter erwirbt, der gern mit Rat und Tat zur Seite steht. Leider findet man solche Züchter nicht "an jeder Straßenecke", aber es lohnt sich, neben der Suche nach einem geeigneten Jungtier, auch den Züchter etwas unter die Lupe zu nehmen. An dieser Stelle soll ein großes Lob und Dank all jenen Züchtern gewidmet sein, welche nicht nur ihre eigenen Zuchterfolge im Sinn haben! Schließlich verfolgen wir alle dasselbe Ziel und tragen die Verantwortung, gesunde und wesensfeste Tiere zu züchten.

Beim Kauf einer zukünftigen Zuchtkatze ist es immer von Vorteil, wenn man wenigstens ein Elternteil des Tieres begutachten kann. Dies ist keineswegs so selbstverständlich, wie es scheinen sollte. Da die Elterntiere in der Regel schon ausgewachsen sind, kann man (allerdings nur bedingt) Rückschlüsse auf die Entwicklung des in Betracht gezogenen Jungtieres ziehen. Es ist kein Geheimnis, dass Colourpoints, welche schon in jugendlichem Alter stark nachgedunkelt sind, dies auch an ihre Nachkommen weitergeben. Ausgenommen hiervon sind Muttertiere, die schon mehrere Würfe großgezogen haben, Tiere, die langwierige, schwere Krankheiten durchleiden mussten und generell ältere Katzen und Kater! Da der Farbton des Körperfells temperaturabhängig ist, sollten Colourpoints im Idealfall bei konstanter Umgebungstemperatur gehalten werden (optimal wären 180C bis 200C). Als Grundsatz gilt: Je wärmer die Umgebungstemperatur, desto heller das Grundfell. Dabei muss man beachten, dass solche Haltungsbedingungen kaum durchzuführen sind und auf der gegenteiligen Seite einen großen Einfluss auf Fellvolumen und -länge haben. Dennoch bestätigen, wie auch in allen weiteren Ausführungen des gesamten Artikels, Ausnahmen die Regel!

Um bei Bühnen-Shows überhaupt mit den Persern konkurrieren zu können, sollte man beim Kauf einer Colourpoint in jedem Fall darauf achten, dass die Körperfarbe, entsprechend dem jeweiligen Farbschlag, äußerst hell ist. Natürlich kann eine Seal­-Point nicht mit der fast schneeweißen Fellfarbe einer Creme-Point aufwarten, denn je dunkler die Abzeichen, desto dunkler gleichzeitig die dazugehörige Körperfarbe. Aber auch wenn man bei der Auswahl eines Kittens noch so genau ist, einen "lebenslangen Garantieschein" für ein besonders hervorstechendes Merkmal bekommt man bei einer Colourpoint nie!

Wichtig für eine erfolgreiche Nachzucht ist ebenfalls die Augenfarbe. Das zukünftige Colourpoint-Kätzchen sollte eine schön durchgefärbte, mindestens mittelblaue Augenfarbe aufweisen. Leider findet man auch heute nur selten Exemplare mit den tiefblauen Augen der Siamesen. Ein Grund dafür ist, dass viele Züchter immer wieder Perser mit kupferfarbenen Augen oder Hybriden einkreuzen, um den Typ der Colourpoints zu verbessern bzw. zu festigen. Dieser Weg ist bedingt sinnvoll und Erfolg versprechend, wenn man bedenkt, dass sich genetisch betrachtet, z.B. die lange gerade Nase der Siamesen gegenüber der kurzen Persernase mit deutlichem Stop dominant verhält.

Man sollte sich von vornherein darüber im Klaren sein, dass Bühnenerfolge auf Rassekatzen-Ausstellungen überwiegend nur mit Colourpoints des extremen US-Typs zu erreichen sind. Bevorzugt man dennoch den europäischen "Normaltyp mit Näschen", ist darauf Wert zu legen, dass dieses Tier (außer der extrem kurzen Nase) alle sonst rassespezifischen Merkmale aufweist. Denn man findet inzwischen prozentual mehr extreme Colourpoints von durchschnittlicher Qualität als Tiere mit sehr guter Augenfarbe und exzellenter Fellbeschaffenheit. Darum sollte man so anspruchsvoll sein, für die Weiterzucht mit eigens gezogenen Jungtieren immer nur die Kitten einzubehalten, welche dem Standard in allen Teilen am nächsten kommen. Eine Fehlentscheidung wäre es, sich nur auf ein bestimmtes Merkmal, wie z.B. eine extreme Kopfform zu konzentrieren.

Um eine blütenweiße Körperfarbe zu erzielen, ist es nicht ratsam, zwei seal-farbene Colourpoints miteinander zu verpaaren. Speziell dieser Farbschlag dunkelt erfahrungsgemäß besonders früh und stark nach.

In Bezug auf eine fast weiße Grundfarbe hat es sich bewährt, vorzugsweise verdünnte Farben wie creme-point, lilac-point oder die entsprechenden Tabby-Varianten einzukreuzen. Allerdings kann bei über Lilac bzw. Chocolate gezogenen Tieren, die Intensität der Points etwas schwach ausfallen.

Nebenbei empfiehlt es sich, bereits vor dem Erwerb gründliche Stammbaum-Studien des ausgewählten Zuchttieres zu betreiben, da der Genpool bei Colourpoints noch immer nicht allzu überschwänglich ist. So kann man unliebsamen Überraschungen, was einen zu hohen Inzucht-Index und die daraus resultierenden Folgen betrifft, vernünftigerweise aus dem Weg gehen. Der Beginn einer Linienzucht, mit dem Ziel hervorstechende Merkmale zu festigen, zeigt einem sonst schnell die Vielfalt der genetischen Möglichkeiten im positiven wie im negativen Sinne auf!

Dasselbe trifft auch für die Wahl eines in Frage kommenden Deckkaters zu. Im übrigen sollte man sich frühzeitig nach einem geeigneten Deckkater erkundigen, falls man nicht im Besitz eines solchen ist. Da die meisten Züchter ihre Kater aus verständlichen, das Gesundheitsrisiko der eigenen Tiere betreffenden Gründen, nicht zum Decken freigeben, ist es ziemlich problematisch, einen fremden Deckkater für seine Zucht zu finden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Colourpoint-Züchter zahlenmäßig noch immer eine Minderheit darstellen. Hilfe bei der Suche nach einem Deckkater leisten die Katzenzucht-Verbände und die regelmäßig erscheinenden Fachzeitschriften.

Im Anschluss noch einige Anmerkungen, was die Entwicklung des Typs der Colourpoint- Katzen anbelangt: Vielfach wird immer noch die unsachliche Ansicht vertreten, alle extremen Perser (wozu die Colourpoint ja nun mal zählt) würden unter tränenden Augen, katastrophalen Kieferanomalien, mindestens aber unter fehlerhafter Zahnstellung sowie Atembeschwerden leiden. Dies darf man so nicht pauschalisieren! Dabei ist zu berücksichtigen, dass extreme Tiere von den Richtern viel genaueren "Gütekontrollen" unterworfen sind, um die Bestätigung ihrer Zuchttauglichkeit und eventuelle Siegeranwartschaften zu erhalten. Bei einer Colourpoint mit gemäßigtem Normaltyp hingegen wird vielfach einfach vorausgesetzt, dass keine oben genannten Fehler vorhanden sind. Von Anfang an ist somit eigentlich die Zuchtauswahl bei extremen Colourpoints bedeutend schärfer. Es gibt auf beiden Seiten, was den Typ betrifft, wunderschöne Exemplare.

Und man fragt sich doch, warum immer mehr Anhänger des alten englischen Colourpoint- Typs früher oder später auf den modernen US-Typ "umsteigen"? Dies erfolgt zwar sicher auch aus "showtechnischen" Gründen. Auf der anderen Seite will doch aber niemand im Ernst von sich behaupten, dass er freiwillig mit Katzen zusammenlebt, deren Gesichter angeblich so hässlich sind! Letztendlich wird niemand gezwungen, für viel Geld (je extremer, desto teurer!) dieses oder jenes Tier zu erwerben. Dabei kennt die Palette der phantasievoll bis bösartigen Umschreibungen der verschiedenen Kopfformen der Perser und Colourpoints keine Grenzen. Hierbei darf man jedoch nicht vergessen, dass diese sinnlosen Streitereien eigentlich nur den ganz persönlichen Geschmack eines jeden von uns betreffen. Schließlich fahren wir ja auch nicht alle dasselbe Auto! Wir sollten wirklich soviel Toleranz besitzen, das Schönheitsempfinden der anderen zu akzeptieren, soweit die Gesundheit der Katzen gewährleistet ist.

Solange man mit seinen züchterischen Ambitionen, im Hinblick auf bereits existierende Qualzüchtungen, nicht über das (Zucht-) Ziel hinausschießt, ist jeglicher Kleinkrieg auf dem Rücken unserer Stubentiger völlig überflüssig. Vielmehr sollten wir bemüht sein (egal ob extrem oder nicht), Katzen ohne genetisch bedingte Organleiden oder "Schönheitsfehler" zu züchten. Genügend Vernunft vorausgesetzt, müsste es für jeden zur Selbstverständlichkeit werden, "vorbelastete" Jungtiere nicht als "zukünftige Zuchtkatzen" abzugeben. Leider ist es nicht immer möglich, genetische Fehler im Voraus zu erkennen und da sich die "Launen der Natur" nicht unbedingt an Zuchtrichtlinien und Standardvorgaben halten, ist niemand davor sicher! Wenn man dagegen rechtzeitig die nötigen Konsequenzen zieht, kann man nach gegebener Zeit einem lohnenden Ziel entgegensehen. Auch in der Rassekatzen­Zucht gilt: Qualität statt Quantität! Dabei ist einerlei, wie die Kopfform der Colourpoints beschaffen ist; Gesundheit und Robustheit müssen an erster Stelle stehen!

4.Fortpflanzung, Geburt und Entwicklung der Colourpoint

Entgegen der Auffassung, Colourpoint-Katzen würden mit der Geschlechtsreife recht lange auf sich warten lassen, steht die Tatsache, dass viele Vertreter dieser Rasse gemäß ihrem Siamerbe regelmäßig Frühentwickler sind.

Weibliche Tiere werden in der Regel mit 7 bis 12 Monaten das erste Mal rollig. Dies entspricht dem Durchschnitt aller Katzenrassen. Bei den Katern gibt es durchaus "Kandidaten", die bereits mit fünf Monaten gefallen am anderen Geschlecht finden. Im Gegensatz dazu findet man aber auch die absoluten "Spätzünder", welche erst mit ca. 2 Jahren geschlechtsreif werden.

Die Rolligkeit oder Raunze der weiblichen Tiere dauert ungefähr 5 bis 12 Tage. Ausschließlich in der Wohnung gehaltene Colourpoints können jederzeit rollig werden, da sie den jahreszeitlichen Zyklen nicht so unterworfen sind wie frei lebende Katzen. Am dritten Tag der Rolligkeit bringt man seine Katze zum sorgfältig ausgewählten Kater. Sicherheitshalber sollte man vorher mit dem Katerbesitzer Kontakt aufnehmen, um zu erfüllende Auflagen, wie z.B. erwünschte Impfungen und Bluttests vorweisen zu können. Eine Katze gleich beim ersten Anzeichen einer Rolligkeit zum Kater zu bringen wäre wenig aussichtsreich, da durch den Stress des Umgebungswechsels meist die Rolligkeit sofort wieder versiegt.

Es erfordert nicht wenig Aufwand, wie ständige Telefonate, meist weite Anreisen und Übernachtungskosten, bis man endlich am Ziel ist. Nicht zu vergessen: die nicht unerhebliche Deckgebühr. Diese nimmt inzwischen mitunter schwindelerregende Dimensionen ( bis weit über 400,-Euro ) an, wenn man das Glück hat, dass man überhaupt angenommen wird.

Angesichts dessen ist es am bequemsten, einen eigenen Zuchtkater zu halten. Viele Züchter können bestätigen, dass ein Großteil ihrer Colourpoint - Kater relativ "friedliche Gesellen" sind. Nachfolgende Hinweise beziehen sich hauptsächlich auf kleine Hobbyzuchten bei ausschließlicher Wohnungshaltung: Sofern ein Colourpoint ­ Kater am Familienleben teilnehmen kann und sein Dasein nicht in einem einsamen "Katerzimmer" fristen muss, dürfte es im Regelfall meist keine großen Probleme mit dem lästigen Markieren (Harnspritzen) geben. Des weiteren sollte man generell nur einen potenten Kater halten und möglichst selten Katzen zum "Fremddecken" annehmen, um das Markieren des Reviers in der Wohnung nicht unnötig zu provozieren. Gewährt man dem Kater ein zufriedenes, konfliktfreies Dasein, so ist ein Zusammenleben mit einem potenten Colourpoint-Kater als Herrscher in seinem Harem durchaus möglich.

Ein Kater ist im allgemeinen "allzeit bereit". Die weiblichen Tiere lassen demgegenüber erst im hochbrünstigen Zustand einen Kater zu. Dem geht eine längedauernde Zeit der "Kokettier-Flucht" voraus.

Bei Katzen erfolgt der Eisprung, anders als beim Menschen, durch den Deckakt. War dieser erfolgreich und hat die Katze aufge­nommen, kann man nach zirka 63 bis 67 Tagen auf einen Wurf bezaubernder Katzenkinder gespannt sein. Bei der Berechnung des Geburtstermins zählt man vom zweiten Decktag beginnend 63 Tage hinzu. Ob eine Katze aufgenommen hat, kann man nach 3 bis 4 Wochen an den gut durchbluteten, geschwollenen Zitzen erkennen.

Die Geburt der Kitten geht normalerweise reibungslos  vonstatten. Gelegentlich können die etwas runderen, massiven Perserschädel der Babys oder große Wurfstärken eine Wehenschwäche oder einen Geburtsstau  verursachen. Länger als drei Stunden sollten Wehenpausen nicht dauern. Ernste Komplikationen unter der Geburt gehören selbstverständlich in die Hand eines Tierarztes!

Allgemein sind Colourpoints zuverlässige, liebevolle Mütter, die ihre Jungen problemlos zur Welt bringen und aufziehen.

Entgegen der These, dass alle Colourpoint-Babys reinweiß geboren werden, steht die persönliche Erfahrung, dass man mitunter nach der Geburt ein Nest lauter kleiner grauer "Streifenhörnchen" vorfindet. Diese dunkle Färbung mit der typischen Längsstreifen-Zeichnung über den gesamten Kopf- und Rückenbereich bezeichnet man als Geisterzeichnung. Dieses Phänomen sagt nichts über die zukünftige Fellqualität und -farbe aus und verschwindet nach ein paar Wochen wieder.

Bereits wenige Tage nach der Geburt kann man die Einfärbung der Points, zuerst am Nasenspiegel und den Zehenballen, beobachten. Und etwa 3 bis 4 Wochen später ist man in der Lage, die endgültige Farbe zu bestimmen. Untrügliche Merkmale für eine Tabby-Zeichnung sind weiße Ohrkanten und eine Augenpartie, die wie mit einer "Brille" hell umrandet scheint. Da sich die Point-Zeichnung nur langsam und allmählich entwickelt, wird den Maskenkatzen-Züchtern von den Katzenzucht-Verbänden grundsätzlich mehr Zeit für die Meldung zur Eintragung ins Zuchtbuch eingeräumt.

Die weitere Entwicklung der Kitten vollzieht sich wie bei allen anderen Hauskatzen auch: Nach etwa zehn Tagen öffnen sich die Augen der Kleinen, es kann aber auch großzügige zwei Wochen dauern. Im Alter von vier Wochen hat der Bewegungsdrang der Colourpoint-Babys erstaunlich zugenommen, und sie verlangen nun nach fester Nahrung. Jetzt wird es höchste Zeit, die Mutter zu entlasten, indem man die Jungkätzchen anfüttert. Genau zu diesem Zeitpunkt beginnen die kleinen Sprösslinge aufs eifrig­ste die angebotene Baby-Katzentoilette zu erforschen. Damit die Babys mit spätestens sechs Wochen stubenrein sind, setzt man sie nach jeder Mahlzeit in die Katzentoilette. Da kleine Colourpoints sehr intelligente Wesen sind, begreifen sie so schnell, was sie auf diesem "Örtchen" zu erledigen haben. Auch die Mama ist dabei eine vorbildliche Lehrmeisterin. Generell lassen sich Colourpoints sehr gut erziehen, solange man dabei konsequent bleibt!

5. Charakter und Wesen der Colourpoint

Die Colourpoint-Perser ist eine äußerst selbstbewusste, kontaktfreudige Katze. Ihre Menschenfamilie wickelt sie mit ihrem bezaubernden Charme im Handumdrehen um die "kleine Kralle". Dabei ist sie sehr gesprächig, aber keineswegs in aufdringlicher Art und Weise. Man erhält fast immer eine Antwort, wenn sie angesprochen wird. Hat sich die Colourpoint etwas in den Kopf setzt, kann man sich ihren Wünschen schwer entziehen. Ein Blick in ihre blauen Augen, und Herrchen oder Frauchen schmelzen dahin.

Für einen Spielgefährten, egal ob Kind, Hund oder Katze, ist die Colourpoint sehr dankbar. Auf Veränderungen in ihrem Umfeld (z.b. Wohnungswechsel) reagiert sie eher gelassen, solange sie ihre geliebten Menschen nicht missen muss. Sie passt sich im allgemeinen gut an und ist durch die Ausgeglichenheit und Sanftheit der Perser auch prima in einer kleinen Wohnung zu halten, wenn für ausreichend Spiel- und Klettergelegenheiten gesorgt ist. Für einen lustigen Zeitvertreib zu zweit ist die Colourpoint immer zu haben. Sie ist ungern allein, und auch wenn man nur für kurze Zeit nicht im Haus war, begrüßt sie uns regelmäßig an der Wohnungstür. Ihre Schmusestunden (und das sind nicht gerade wenig!) fordert sie mit all ihren unwiderstehlichen Liebesbezeugungen ein.

Auf der anderen Seite vermutet man oft nicht, was für ein energiegeladener Wirbelwind hinter ihrer Maske lauert. Aber schließlich hat sie auch etwas von dem ungestümen Bewegungsdrang ihrer siamesischen Vorfahren geerbt.

Letztendlich aber besitzt jede Colourpoint-­Katze ihre ganz eigene Persönlichkeit. Wer einmal mit einem Geschöpf dieser apart anmutenden Rasse zusammengelebt hat, möchte dieses intelligente, liebenswerte Wesen mit der fesselnden Schönheit nicht mehr missen.

© Manuela Jensch

Anmerkung bezüglich Tortie und Tabby bei Colourpoints:

Die Tabby-Zeichnung erscheint als deutliche Stromung im Gesicht, an den Beinen und am Schwanz. In der Maske erkennt man sie an den abgegrenzten Streifen um die Nase und um die Augen. Auf der Stirn befindet sich ein umgekehrtes "M". Das Kinn darf weiß sein. Die Ohren sind einfarbig und weisen den typischen Wildfleck (auch Daumenabdruck genannt) auf. Dabei ist die Ohrkante hell. Beine und Schwanz sind regelmäßig beringt mit einer dunklen Schwanzspitze. Der Nasenspiegel ist immer kupferfarben.

Tortie ist die Bezeichnung für Schildpatt oder Blau-Creme. Das Fell muss dabei eine deutlich sichtbar vermischte oder gefleckte Farbverteilung von Schwarzbraun, Rot und Creme aufweisen. Bei Colourpoint- Katzen darf Schildpatt oder Blau-Creme ebenfalls nur in den Points sichtbar sein. Tortie wird geschlechtsgebunden vererbt und tritt deshalb nur bei weiblichen Tieren auf. Bei den sehr selten vorkommenden (in der Regel zeugungsunfähigen) Katern dieses Farbschlags liegt eine Chromosomenanomalie vor!

 

 

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